used.soul
Halli Hallo Hallöchen!
Na? Ihr kennt mich nicht mehr, wa? Jah und ich lebe noch und ihr glaubt nicht, wie froh und glücklich ich darüber bin.
Ich hab grad an euch gedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass man euch mal sagen sollte, dass ihr es schafft.
Ich war auch schwer gefährdet... Ich weiß, wie es euch geht, das heißt, nein natürlich weiß ichs nicht, aber ich kann verstehen, warum ihr hier seid. Ich habe nun lange darüber nachgedacht, wie ich ausdrücke, was ich euch vermitteln möchte. Naja wie ich halt so bin, hab ich alles wieder vergessen.
Aber ich will euch meine Geschichte, von der Anmeldung in diesem Forum bis heute, erzählen. Dass ich schwer depressiv war, muss ich euch ja nicht mehr sagen, dass könnt ihr euch vorstellen. Ich habe echt alles versucht, springen, Adern aufschneiden, ich wollt mich sogar abstechen, Tabletten... Einfach alles. Ich kann die Versuche nicht mehr zählen und irgendwann ertappte ich mich sogar dabei, wie ich einen Nervenzusammenbruch hatte, nur weil ich nicht drauf ging. Wenn ich heute drüber nachdenke - wie lächerlich, mein Leben ist so schön und ich will es nicht mehr hergeben. Ich weiß, warum ich es nicht geschafft habe, es sollte nicht so sein. ICH sollte leben und ich sollte auch glücklich werden, selbst wenn ich es in dieser Situation nicht geglaubt hätte. Ich weiß, was ihr jetzt denkt. 'Was faselt die da eigentlich fürn Dünnschiss?!' Warum ich das weiß? Ganz einfach, weil ich genauso reagiert habe, als man mir sagte, dass auch ich irgendwann wissen werde, warum ich auf der Welt sein darf.
Nun aber weiter im Text. Ich war damals schon in pädagogischer Betreuung, bin grad so um eine Zwangseinweisung rumgekommen und meine Betreuer machten sich große Sorgen. Ich begann Drogen zu nehmen, Alkohol in Massen zu vertilgen und allen möglichen Scheiß zu bauen. War ja ohnehin egal - mein Leben war zum kotzen und schlimmer konnte es nicht werden. Ja ich hatte Recht, es wurde echt nicht schlimmer, nur besser. Immer besser. Ich hab ein halbes Jahr lang mein Leben zerstört bis nichts mehr ging.
Ein Typ, den ich garnicht kannte, hielt mir im Bus, während ich total hacke war, eine Knarre an den Kopf und ich forderte ihn auf, abzudrücken - denn ich hatte nichts mehr zu verlieren. NICHTS. Zumindest dachte ich das, denn dass ich da schon in der sechsten Woche schwanger war, wusste ich nicht. Der Typ war total irritiert und erhoffte sich natürlich durch seine Waffe Respekt, aber ich war so tief drin, da wars mir einfach egal und besoffen war ich ja auch noch. Jah ich habs überlebt wie ihr seht, auch das.
Nun habe ich eine wunderbare Tochter. Nachdem ich wusste, dass ich schwanger war, hörte ich auf zu trinken, ich wollte das Kind nicht mit reinziehen. Auch wenn ich nicht wusste, ob ich sie behalte oder nicht. Ich hörte auf mit allem. Nur das Rauchen, zu meiner Schande, das schaffte ich nicht ganz.
Die Kleine ist echt manchmal der Alptraum. Aber so sind die lieben Kleinen eben, ne? Hab ich mir auch selbst eingebrockt und es ist okay.
Jedenfalls... Mein Bruder hat sich am 27.12.2007 vor einen Zug geworfen. In Halberstadt. Er war vierundzwanzig, lebte für World of Warcraft und vergaß die Realität bis er in einem Schuldenberg erstickte und .. ich kann euch nicht sagen, warum er plötzlich entschieden hat zu gehen. Ich meine, er hatte mit seiner Freundin etwas Stress. Weil sie ihn wohl aufgeweckt hatte. Er wollte auch ein Kind, er hätte arbeiten gehen müssen. Das wollte er nicht. Aber das ist doch kein Grund sich umzubringen, oder verstehe ich das nun falsch, weil ich jetzt glücklich bin? Ihr glaubt nicht, wie schlecht es meiner Familie und vor allem meiner Mom jetzt geht. Sie haben ihn heute identifiziert, sogar meinem Vater ging es schlecht und ich weiß, dass Björn immer dachte, wir lieben ihn nicht. Ich hatte keinen guten Draht zu ihm, das stimmt, aber das heißt doch nicht, dass ich ihn nicht mochte, er war mein einziger, leiblicher Bruder.
Bitte, bitte versteht, was ich euch sagen möchte. Es ist nicht aussichtslos, egal, wie dunkel euch das ganze vorkommt. Egal, wie sehr der Gedanke euch festhält, dass euch niemand liebt. Egal, wie oft ihr geschlagen wurdet, egal wie oft man euch vergewaltigt und gedemütigt hat, ihr seid nicht zu ersetzen und der Suizid ist überhaupt keine Lösung für eure Probleme, ihr lauft nur feige davon. Es ist auch nicht Mut... Ich weiß noch, wie sehr ich den Frankfurter bewundert habe, dass er sich getraut hat zu springen... Wie lächerlich, er ist doch nur davon gelaufen. Er hat auch keine Zeichen gesetzt, er hat seiner Familie weh getan, vor allem seiner Mutter. Wirklich, ich kanns euch versichern, auch wenn man meint, die eigene Mutter würde einen nicht wertschätzen, warum auch immer, es stimmt nicht, vor allem jetzt wo ich selbst Mutter bin, will ich mir nicht vorstellen, was wäre, wenn Amelie sterben würde. Ich bin auch oft nicht fair zu ihr, ich bin noch jung und ich mache Fehler zu Hauf. Ich bin auch bestimmt 'ne bessere Mutter als manche von euren oder meine eigene.
Aber gebt die Hoffnung nicht auf. Auch ihr werdet eines morgens aufwachen und feststellen, dass ihr froh seid, dass ihr noch lebt. Vertraut mir. Zumindest in diesem Punkt, weiß ich, dass ich Recht habe. Ihr seid Stark. Ihr habt es bis jetzt ausgehalten. Auch wenn ihr glaubt kraftlos zu sein... Solang ihr die Kraft zum Atmen habt ist euer Leben das leben wert. Natürlich solltet ihr auch Essen und Trinken. Klar, aber ihr dürft euch nicht aufgeben und wenn ihr das schon getan habt, findet euch wieder. Ihr seid toll, alle und eure Eltern, vor allem eure Mütter und auch Geschwister hängen sehr an euch. Macht nicht denselben Scheiß wie mein Bruder. Wenn ihr das tut, werdet ihr erst Recht nicht mehr glücklich werden. Das ist wie mit dem Lotto, nur wer spielt, kann gewinnen, wer nicht spielt, hat auch keine Chance zu gewinnen.
Nur wer lebt, kann glücklich werden, wer schon Tod ist, nein nicht seelisch Tod, das geht noch, aber wer körperlich Tod ist, der wird auch nie mehr glücklich werden. Und ich war auch seelisch total Tod. Es war kalt, es war schwarz und es war verdammt schmerzhaft, aber ich habs geschafft und ob ihrs glaubt oder nicht, ich bin verdammt froh, vor allem nach Björns Tod, dass ich noch leben darf.
Ich wünsche euch, von ganzem Herzen, alles Gute und ich weiß, dass ihr das packt, jeder einzelne. Tut euch nur nichts an, dann wärs wirklich nicht mehr möglich, damit würdet ihr euch nur noch selbst Steine in den Weg legen. Ihr wollt doch glücklich sein, ich weiß das. Ich versteh euch.
Liebe Grüße
Jenny
Na? Ihr kennt mich nicht mehr, wa? Jah und ich lebe noch und ihr glaubt nicht, wie froh und glücklich ich darüber bin.
Ich hab grad an euch gedacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass man euch mal sagen sollte, dass ihr es schafft.
Ich war auch schwer gefährdet... Ich weiß, wie es euch geht, das heißt, nein natürlich weiß ichs nicht, aber ich kann verstehen, warum ihr hier seid. Ich habe nun lange darüber nachgedacht, wie ich ausdrücke, was ich euch vermitteln möchte. Naja wie ich halt so bin, hab ich alles wieder vergessen.
Aber ich will euch meine Geschichte, von der Anmeldung in diesem Forum bis heute, erzählen. Dass ich schwer depressiv war, muss ich euch ja nicht mehr sagen, dass könnt ihr euch vorstellen. Ich habe echt alles versucht, springen, Adern aufschneiden, ich wollt mich sogar abstechen, Tabletten... Einfach alles. Ich kann die Versuche nicht mehr zählen und irgendwann ertappte ich mich sogar dabei, wie ich einen Nervenzusammenbruch hatte, nur weil ich nicht drauf ging. Wenn ich heute drüber nachdenke - wie lächerlich, mein Leben ist so schön und ich will es nicht mehr hergeben. Ich weiß, warum ich es nicht geschafft habe, es sollte nicht so sein. ICH sollte leben und ich sollte auch glücklich werden, selbst wenn ich es in dieser Situation nicht geglaubt hätte. Ich weiß, was ihr jetzt denkt. 'Was faselt die da eigentlich fürn Dünnschiss?!' Warum ich das weiß? Ganz einfach, weil ich genauso reagiert habe, als man mir sagte, dass auch ich irgendwann wissen werde, warum ich auf der Welt sein darf.
Nun aber weiter im Text. Ich war damals schon in pädagogischer Betreuung, bin grad so um eine Zwangseinweisung rumgekommen und meine Betreuer machten sich große Sorgen. Ich begann Drogen zu nehmen, Alkohol in Massen zu vertilgen und allen möglichen Scheiß zu bauen. War ja ohnehin egal - mein Leben war zum kotzen und schlimmer konnte es nicht werden. Ja ich hatte Recht, es wurde echt nicht schlimmer, nur besser. Immer besser. Ich hab ein halbes Jahr lang mein Leben zerstört bis nichts mehr ging.
Ein Typ, den ich garnicht kannte, hielt mir im Bus, während ich total hacke war, eine Knarre an den Kopf und ich forderte ihn auf, abzudrücken - denn ich hatte nichts mehr zu verlieren. NICHTS. Zumindest dachte ich das, denn dass ich da schon in der sechsten Woche schwanger war, wusste ich nicht. Der Typ war total irritiert und erhoffte sich natürlich durch seine Waffe Respekt, aber ich war so tief drin, da wars mir einfach egal und besoffen war ich ja auch noch. Jah ich habs überlebt wie ihr seht, auch das.
Nun habe ich eine wunderbare Tochter. Nachdem ich wusste, dass ich schwanger war, hörte ich auf zu trinken, ich wollte das Kind nicht mit reinziehen. Auch wenn ich nicht wusste, ob ich sie behalte oder nicht. Ich hörte auf mit allem. Nur das Rauchen, zu meiner Schande, das schaffte ich nicht ganz.
Die Kleine ist echt manchmal der Alptraum. Aber so sind die lieben Kleinen eben, ne? Hab ich mir auch selbst eingebrockt und es ist okay.
Jedenfalls... Mein Bruder hat sich am 27.12.2007 vor einen Zug geworfen. In Halberstadt. Er war vierundzwanzig, lebte für World of Warcraft und vergaß die Realität bis er in einem Schuldenberg erstickte und .. ich kann euch nicht sagen, warum er plötzlich entschieden hat zu gehen. Ich meine, er hatte mit seiner Freundin etwas Stress. Weil sie ihn wohl aufgeweckt hatte. Er wollte auch ein Kind, er hätte arbeiten gehen müssen. Das wollte er nicht. Aber das ist doch kein Grund sich umzubringen, oder verstehe ich das nun falsch, weil ich jetzt glücklich bin? Ihr glaubt nicht, wie schlecht es meiner Familie und vor allem meiner Mom jetzt geht. Sie haben ihn heute identifiziert, sogar meinem Vater ging es schlecht und ich weiß, dass Björn immer dachte, wir lieben ihn nicht. Ich hatte keinen guten Draht zu ihm, das stimmt, aber das heißt doch nicht, dass ich ihn nicht mochte, er war mein einziger, leiblicher Bruder.
Bitte, bitte versteht, was ich euch sagen möchte. Es ist nicht aussichtslos, egal, wie dunkel euch das ganze vorkommt. Egal, wie sehr der Gedanke euch festhält, dass euch niemand liebt. Egal, wie oft ihr geschlagen wurdet, egal wie oft man euch vergewaltigt und gedemütigt hat, ihr seid nicht zu ersetzen und der Suizid ist überhaupt keine Lösung für eure Probleme, ihr lauft nur feige davon. Es ist auch nicht Mut... Ich weiß noch, wie sehr ich den Frankfurter bewundert habe, dass er sich getraut hat zu springen... Wie lächerlich, er ist doch nur davon gelaufen. Er hat auch keine Zeichen gesetzt, er hat seiner Familie weh getan, vor allem seiner Mutter. Wirklich, ich kanns euch versichern, auch wenn man meint, die eigene Mutter würde einen nicht wertschätzen, warum auch immer, es stimmt nicht, vor allem jetzt wo ich selbst Mutter bin, will ich mir nicht vorstellen, was wäre, wenn Amelie sterben würde. Ich bin auch oft nicht fair zu ihr, ich bin noch jung und ich mache Fehler zu Hauf. Ich bin auch bestimmt 'ne bessere Mutter als manche von euren oder meine eigene.
Aber gebt die Hoffnung nicht auf. Auch ihr werdet eines morgens aufwachen und feststellen, dass ihr froh seid, dass ihr noch lebt. Vertraut mir. Zumindest in diesem Punkt, weiß ich, dass ich Recht habe. Ihr seid Stark. Ihr habt es bis jetzt ausgehalten. Auch wenn ihr glaubt kraftlos zu sein... Solang ihr die Kraft zum Atmen habt ist euer Leben das leben wert. Natürlich solltet ihr auch Essen und Trinken. Klar, aber ihr dürft euch nicht aufgeben und wenn ihr das schon getan habt, findet euch wieder. Ihr seid toll, alle und eure Eltern, vor allem eure Mütter und auch Geschwister hängen sehr an euch. Macht nicht denselben Scheiß wie mein Bruder. Wenn ihr das tut, werdet ihr erst Recht nicht mehr glücklich werden. Das ist wie mit dem Lotto, nur wer spielt, kann gewinnen, wer nicht spielt, hat auch keine Chance zu gewinnen.
Nur wer lebt, kann glücklich werden, wer schon Tod ist, nein nicht seelisch Tod, das geht noch, aber wer körperlich Tod ist, der wird auch nie mehr glücklich werden. Und ich war auch seelisch total Tod. Es war kalt, es war schwarz und es war verdammt schmerzhaft, aber ich habs geschafft und ob ihrs glaubt oder nicht, ich bin verdammt froh, vor allem nach Björns Tod, dass ich noch leben darf.
Ich wünsche euch, von ganzem Herzen, alles Gute und ich weiß, dass ihr das packt, jeder einzelne. Tut euch nur nichts an, dann wärs wirklich nicht mehr möglich, damit würdet ihr euch nur noch selbst Steine in den Weg legen. Ihr wollt doch glücklich sein, ich weiß das. Ich versteh euch.
Liebe Grüße
Jenny