Opfer und Täterin in einer Person...

damaged
... tja ... ich meide diesen bereich eigentlich meistens ...

Aber die letzten Wochen ... kommt mir immer mal wieder der Gedanke ... hier auch mal einen Thread aufzumachen mit meiner persönlichen Mobbing Geschichte ..........

Es spielte sich alles zwischen der 7ten und 10ten Klasse ab bei mir, der Zeit wo ich auf die Realschule bei mir im Ort ging.

Zunächst einmal ... war ich Opfer ... ich wurde von immer verschiedenen Gruppen mal mehr und mal weniger fertig gemacht.

Besonders die "coolen" hatten es auf mich abgesehen.
dazu gehörte unter anderem auch A. und T.M. (das sei hier nur für den weiteren Verlauf erwähnt).

Ich erinnere mich an nur ein Ereignis, alles andere waren tägliche Hänselein und dergleichen, aber dieses eine ereignis werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen und es ist mir heute noch immer peinlich.

wir waren in der achten Klasse auf Klassenfahrt in so Blockhütten.
Irgendwie lockte mich T.M. in die Blockhütte von den "coolen.
Dort redeten wir ein bisschen über dieses und jenes.
und dann bot mir T.M. ein Kaugummi an.
was sollte ich mir auch dabei denken?
Ich nahm das Kaugummi an und kaute eben drauf rum.
Alle anderen in der Hütte brachen in schallendes Gelächter aus.
Ich hatte erst keine Ahnung warum, bis mir gesagt wurde das T.M. und M. auf das kaugummi DRAUF GEPINKELT haben!!!!!!!
Ich kann das gefühl des Ekels und der Scham noch heute genau fühlen.
Ich werde es nie vergessen und fühle mich noch heute erniedrigt wenn ich daran denke.

*Ortswechsel*
Ich spielte während dieses Zeit auch Handball.
Ich war schlecht.

Und ich wurde regelmäßig, besonders von den Spielern der höheren Mannschaft fertig gemacht.
Tja und mit meiner Ungeschicktheit gab ich denen auch genug SToff.
Auch hier waren es viele kleine ereignisse an die ich mich nicht weiter erinnere, aber auch hier gibt es eine Sache die mir im gedächtnis bleiben wird.

Es war in H.-U., ein großes internatrionales Turnier wo mir meist mit dem kompletten Verein vertreten waren,
unsere Mannschaft spielte und oben auf der tribüne guckten ca. 1000 leute zu, darunter natürlich auch die Leute aus den höheren mannschaften.
Ich war im Angriff, machte einen SChritt nach vorne und es machte "knack", ich sackte zu Boden ... versuchte wieder aufzustehen, aber es ging nicht ... gelächter von der tribüne .. meine Trainerin rief ich solle mich nicht so anstellen .. ich wollte wieder aufstehen .. es ging nicht, ich sackte wieder zu Boden ... meine Trainerin kam und half mir vom Platz ....

Noch beim gehen sagte sie mir wie peinlich ich mich gerade verhalten würde ... es kam ein Arzt an den Spielfeldrand und sagte es sei ne Prellung im Knie.
Nungut. Als das Spiel zu ende war ging es in die Umkleidekabine, ich weiß davon nicht mehr viel, nur das mir aufeinmal sehr schlecht und schwindelig wurde, die schmerzen waren einfach nur abartig.
Ich bin dann da wieder zu mArzt und bekam was fürn Kreislauf und gut.
Am nächsten tag ging es nach hause - mein Vater fuhr mich direkt ins Krankenhaus ... mein "Anstellen" war ein Kreuzbandriss ...


*WENDE*

Ich kann nichmal mehr sagen wie es kam, ich glaube es war so ende der achten, anfang der neunten Klasse, da war mein "peinlich-sei-dasein" zu ende.

Ich gehörte zu einer kleinen Clique .... T.S. und ich und am rande noch Mi. und C. .... tja .. als erstes haben wir uns T.M. "vorgenommen" und sie regelrecht fertig gemacht .. Telefonterror und alles was dazu gehört ... endete damit das sie von mir persönlich einen Kuchen bekommen hat dem ich Spülmittel beigesetzt hatte.

Ja, war scheisse von mir, ich sah und sehe das allerdings immer noch als eine Art Rache an, den T.M. war damals bei den Aktionen gegen mich oftmals der Drahtzieher.

Dann kam die Sache mit A. und ich dafür schäme ich mich noch heute.
Wir haben über A., die damals vlt. minimal mehr als ich auf die Waage brachte als ich selber ein Gedicht geschrieben was arg, sehr arg unter die Gürtellinie ging und es in der öffentlichen Schul-Mädchen-Toilette aufgehangen.

Damals fanden wir es witzig - heute schäme ich mich dafür in grund und Boden, wusste ich doch selber genug wie es weh tut sowas ertragen zu müssen.

Das Ende dieser Sache war das es natürlich raus kam und ich, Ti. und S. ne Woche Schulverweis kassiert haben - aus heutiger Sicht - eine falsche Strafe, wir haben uns damals über die Woche "frei" sehr gefreut.

tja. was ich damit sagen will?
Ich weiß es nicht.

Ich wollte es mal loswerden ..

und vlt. beiläufig die frage ob das hier jmd. auch erlebt hat erst Opfer gewesen zu sein und später zum Täter geworden zu sein?????
DarkFate
Hi Damaged,

vor garnicht allzu langer Zeit habe ich auch über solche Situationen nachgedacht - die mich allerdings schon lange beschäftigen.

Die meiste Zeit meiner 13 Schuljahre wurde ich gemobbt.

Zwischendurch gab es jedoch kurze Phasen, in denen ich es schaffte, auch in den Kreisen der Mobber ein bisschen respektiert zu werden - aber eben um den Preis, das ich selbst einer von denen wurde und anfing, andere zu mobben.

Das dies für mich der einzige Weg war, eine Zeit ohne selbst gemobbt zu werden zu erleben, macht mein Handeln vielleicht nachvollziehbar, entschuldigt jedoch nichts.

Rückblickend verabscheue ich an mir nichts so sehr wie meine damalige Verhaltensweise.

In den letzten Jahren meiner Schulzeit bin ich meinem vormaligen Hauptopfer zufällig wieder begegnet und konnte mit ihr darüber sprechen. Sie hatte die Schule gewechselt und daher hatte ich sie aus den Augen verloren. Sie war sehr positiv überrascht, das mich das Geschehene in dieser Weise beschäftigt und hat mit geglaubt, das es mir sehr leid tut.

lg, DarkFate
Psycho
Naja, es ist übertrieben, bei mir von Mobbing zu reden. Ich wurde eben hier und da mal von einigen Leuten nicht gerade nett behandelt, ging aber nie in Richtung körperliche Gewalt und auch die seelische war lange nicht so schlimm wie bei anderen, dennoch war es eine unschöne Sache.
Ich selbst habe nie wirklich andere gemobbt, doch in der 10.Klasse bekamen wir einen Sitzenbleiber in unsere Klasse und anfangs bemühten sich auch alle um ihm, wir wollten ihn wirklich integrieren und das, obwohl er äußerlich nicht der Norm entsprach und er auch sonst an der Schule keine Freunde hatte. Nur schien dieser Typ keinen Wert auf unsere Freundschaft zu legen und so ließen ihn nach einiger Zeit alle in Ruhe. Allerdings machte mich dieser Junge mit seiner Art ziemlich aggressiv. Es kam rüber, als wolle er etwas Besseres sein, nichts mit uns zu tun haben, er grinste immer nur blöd, kriegte im Unterricht aber nie die Fresse auf und argh, ich kann es mir nicht erklären, aber dieses Gefühl einer Art des Hasses ohne Grund, war merkwürdig. Mehr als ein paar blöde Sprüche habe ich ihm nicht getan, aber auch die kann ich mir nicht erklären, dieser Junge hatte jah niemandem etwas getan.
Ich bin gegen jede Form von Mobbing und dennoch kriege ich manchmal einen verdammten Hass auf Menschen, manchmal auf Menschen allgemein, manchmal auch auf jemand bestimmten. Wenn ich heute in meiner Klasse oder irgendwo anders blöde Sprüche zu hören kriege, würde ich mich so gerne rächen und den anderen auch irgendwie fertig machen, nur tue ich es nie.
Naja, irgendwie hatte das alles kaum etwas mit dem Thema zu tun, aber irgendwie kam mir das alles so in den Sinn, als ich das gelesen habe, keine Ahnung.
Also, sagen wollte ich wohl, dass ich Gemobbte, die selbst zu Mobbern werden, durchaus verstehen kann und ehm, jah, Käsekuchen.
Sorry, war nicht sehr produktiv.
lieber tot
Zitat:
und vlt. beiläufig die frage ob das hier jmd. auch erlebt hat erst Opfer gewesen zu sein und später zum Täter geworden zu sein?????


ja, werde allerdings nicht näher drauf eingehen, tut mir heute leid.

ich halte deine "rache" für gerechtfertigt, da es dir heute leid tut, brauchst du dich dafür nicht mehr zu schämen finde ich, hätten sie das nicht mit dir gemacht hättest du sowas wohl nie getan, mich persönlich freut es zu lesen dass solche menschen zurückbekommen haben was sie verdienten, war eine lehrreiche erfahrung für diese menschen, hoffendlich hat es sie davon abgehalten weitere menschen zu mobben
Mystica
tja liegt halt alles nah beisammen,
die täter waren früher vllt auch opfer
weit hergeholt wär's nicht.

ist nicht so dass ich nie verspottet wurde aber
ich war dann immer doch diejenige die sich
gerade zu den randgruppenkindern und
gehassten "opfern" gesetzt hat und sie auch
verteidigt hat, wodurch man mich in die zielscheibe
miteinschließ.. also nix mit täter, der hass blieb immernur
auf mich selbst
Silly-Sally
Zitat:
Original von Mystica
tja liegt halt alles nah beisammen,
die täter waren früher vllt auch opfer
weit hergeholt wär's nicht.



Und wenn die Opfer zu Tätern an sich selbst werden... traurig
Mystica
genau... wie gesagt, der hass richtete sich immer nur auf mich,
ich bin die einzige person die ich verletzen darf.

andere können mich auch verletzen, aber ich spüre es nicht mehr so richtig, in den allermeisten fällen gar nicht mehr.

ich hoffe es kommt der tag an dem man den opfer-täter-kreislauf durchbrechen wird, aber ob die menschheit dazu überhaupt im stande ist...
dasDing
Zitat:
Original von damaged
(...)
und vlt. beiläufig die frage ob das hier jmd. auch erlebt hat erst Opfer gewesen zu sein und später zum Täter geworden zu sein?????

ja. nein. jein.
also, was heutzutage so straftatbestand "mobbing" ist - so dolle war ich nie (längere zeit) in der opferrolle und ich bemühe mich auch sehr das ich fair zu meinen mitmenschen bin.
ich falle manchmal sehr radikal aus der rolle, ja... ich betreibe aber kein aktives, bewusstes mobbing.

was ich viel zu oft erlebe ist, das man da halt nebensteht, solche situationen miterlebt... und nicht einschreitet. warum auch immer. teilweise, wenn ich die mobbende person aus irgendeinem grund mag, muss ich mich schon am riemen reissen nicht mitzumachen.
klappt aber meist, soweit ich mich gerade erinnern kann.

aber... "wer schweigt stimmt zu" - es ist falsches verhalten so etwas zuzulassen. ich seh es so, bekomme es aber viel zu oft nicht hin - das ist ein bereich wo ich stark an mir arbeiten sollte / möchte / muss.
Sad_Angel
Zitat:
Original von damaged
und vlt. beiläufig die frage ob das hier jmd. auch erlebt hat erst Opfer gewesen zu sein und später zum Täter geworden zu sein?????


Nicht direkt, aber bei mir war es so, dass ich jahrelang Mobbingopfer war und dann letztes Jahr auf einmal von einer Mitschülerin als Täterin hingestellt worden bin, obwohl das nicht der Wahrheit entsprochen hat, da ich ihr niemals etwas getan habe - ausser sie ein einziges Mal auf etwas hingewiesen habe, was nicht richtig gewesen ist von ihr. Ich kann mich jetzt noch an die stundenlangen Gesprächen mit Vertrauenslehrer, Schulleitung und auch untereinander mit den anderen Mitschülern, denen ebenfalls dieser Vorwurf gemacht wurde, erinnern, als wäre es gestern gewesen. Nur dank unserer Klassenlehrerin sind wir ohne Verweis und Abmahnung davon gekommen - ansonsten hat uns niemand geglaubt, dass wir unschuldig sind und keine Mobbingtäter.
Gothica777
Viele machen beim Mobbing nur mit um zur Clique zugehören, machen sie dies nicht werden sie selber zum Opfer. Oder viele machen Mobbing weil sie in die Clique aufgenommen werden wollen, vorher waren sie vllt. das Opfer. Oder mansche wollen nicht mehr das Opfer sein und werden so zum Täter.
AlmostDead
Ich denke, das ist in vielen Fällen so.
Habe es auch schon ganz oft miterlebt, war aber zumeist unbeteiligt.
Die, die gemobbt wurden, haben Angst, wieder in die Situation zu kommen und machen lieber mit, anstatt wieder in die Opferrolle zu geraten.